Rischart seit 1883
15. RischArt_Projekt JAJA – NEINNEIN – VIELLEICHT

15. RischArt_Projekt JAJA – NEINNEIN – VIELLEICHT

13. März bis 5. April 2020
Ort
: Gasteig München, Rosenheimer Straße 5
Eröffnung: Sonntag, 15. März 2020, 11 Uhr

Seit 1983 wagen die RischArt_Projekte immer wieder neue Wege, um Kunst in den öffentlichen Raum zu bringen. Kurz vor der Sanierung des Gasteig wird nun eine inhaltlich spannende Symbiose mit Europas größtem Kulturzentrum eingegangen. Im 3. Jahrzehnt des noch jungen 21. Jahrhunderts werden die teils ambivalenten Auswirkungen der immer schneller voranschreitenden Globalisierung auch auf lokaler Ebene zunehmend sichtbar. Der Mythos des Turmbaus zu Babel scheint Wirklichkeit geworden zu sein. Neben wichtigen Themen wie Klimawandel und Massenmigration stellt sich die Frage, wie man auch sprachlich die Welt neu ordnen bzw. überhaupt verstehen kann. 10 eingeladene Künstler/innen nähern sich dem vielschichtigen Thema Sprache und Kommunikation mit ihren speziell für den Gasteig konzipierten Arbeiten.

Initiatoren: Gerhard Müller-Rischart, Magnus Müller-Rischart
Kuratorin: Katharina Keller
Organisatorische Leitung: Kirsten Wengmann
Kontakt: c/o Wengmann Kulturmanagement, T 089-76773824, rischart@wengmann.de
Facebook: RischArt.Projekte
Instagram: @rischart_projekt

Mit Unterstützung der Gasteig München GmbH

Flyer zum Download

Die Ausstellung ist seit 17. März wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Vielen Dank an münchen.tv für ihren Videobeitrag, der Sie zu einem kurzen digitalen Ausstellungsrundgang einlädt.

Albert Coers »Gasteig-Encounters« (Glashalle, 1. OG)
Schwarz-Weiß-Fotos an ausgewählten Stellen im bunten Treiben des Gasteigs. Die Fotos zeigen Menschen, die mit Gebärdensprache Begriffe ausdrücken, die in Wechselbeziehung mit dem jeweiligen Ort stehen. Die Bilder stammen aus einem Lehrbuch, das 1985 in Ostberlin herausgegeben wurde – im selben Jahr, als der Gasteig als modernes Kulturzentrum eingeweiht wurde. Zwei Welten prallen aufeinander, wobei gänzlich neue Deutungsebenen geschaffen werden.

Alicia Framis »Is my body public?« (Glashalle, 1. OG)
Was ist in der heutigen Gesellschaft privat und was öffentlich? Um die zunehmend verschwommenen Grenzen zwischen diesen beiden Bereichen auszuloten, ließ Alicia Framis Stoffbahnen mit dem Text »Ist mein Körper öffentlich?« in zwölf Sprachen besticken und von der Decke der Haupthalle herabhängen. Die Leichtigkeit und mehr noch die Sinnlichkeit der fast transparenten Seidentücher stehen im krassen Unterschied zur Ernsthaftigkeit der Fragestellung.

Wolfgang Stehle, »Babel« (Glashalle, 1. OG)
Eine Packstation? Eine Infothek? Wolfgang Stehles Installation bricht die Grenzen zwischen freier und angewandter Kunst auf. Dieses nützliche Kunstwerk lädt Besucher/innen dazu ein, Informationen über die Ausstellung zu erfragen, Kataloge durchzublättern oder zu kaufen oder Briefe an die einzelnen Künstler/innen zu schreiben und einzuwerfen, um somit in direkten Kontakt mit ihnen zu treten. Kommunikation pur! Ganz im Gegensatz zum legendären Turmbau zu Babel.

Bea Meyer »Rauschen #3« (Glashalle, 1. OG)
»Daten sind das neue Öl«, ein neuer gewinnbringender Rohstoff. Die digitale Masse der über uns als Individuen gesammelten Informationen wird form- und materielos auf Servern an lapidaren Orten dieser Welt gespeichert. Bea Meyer gibt ihren Daten eine neue Form und eine eigene Materialität. Sie verkleinert und verdichtet die digitalisierten Schriftbilder ihrer Kalendernotizen der letzten 15 Jahre zu einem textilen, wandfüllenden Display und hängt es in den öffentlichen Raum.

Maximilian Erbacher »DOO-BE-DOO-BE-DOO« (Celibidacheforum)
Mit seinen Fahnen fragt Maximilian Erbacher »Wohin mit / dem Menschen / ohne Arbeit / ohne Heimat« – und liefert auch zugleich eine deutliche, unverblümte Antwort: »Scheißegal.« Harte Worte, die wie eine Antithese zu Angela Merkels Spruch »Wir schaffen das!« verstanden werden können – aber auch im Kontext des immer teurer werdenden Wohnraums in den Großstädten, wodurch selbst langjährige Mieter mit existenziellen Problemen konfrontiert werden.

 

Dana Lürken »CHANGE« (Celibidacheforum)
Das englische Wort »Change« als monumentale Eisskulptur. Bei den Installationen von Dana Lürken steht die oft verspielte Wechselbeziehung zwischen Material und Text im Mittelpunkt. Nicht nur die Beschaffenheit des kalten bläulichen Materials spielt hierbei eine herausragende Rolle, sondern auch die des gewählten Wortes. Denn das englische Wort kann sowohl als Nennwort (Veränderung) als auch als Tätigkeitswort (verändern) verstanden werden, wobei Letzteres ebenfalls als Aufforderung begriffen werden kann.

 

Clara Oppel »texere« (Foyer Kleiner Konzertsaal, 1. OG)
Der Sinn des Gesprochenen hängt nicht nur mit Semantik zusammen, sondern auch mit der Sprachmelodie, dem Sprachrhythmus oder der Lautstärke. Oppel sammelt Sprache und stimmt sie zusammen mit anderen vorgefundenen Klängen zu einer Sound-Installation ab, die wie eine Topografie anmutet. Denn in der Luft zeichnen die Geräusche ihre Spuren, die sich wiederum im Arrangement der 400 Breitbandlautsprecher durch acht Klangzonen entlang der Wand des Gasteig widerspiegeln.

 

Thomas Rentmeister »...von wegen!« (Glashalle, 1. OG)
Dieser alte auseinanderfallende Wohnwagen scheint eins mit einem Schotterweg geworden zu sein. Tausende Steine quellen förmlich aus ihm heraus. Nicht schlimm, denn der Weg ist bekanntlich das Ziel. Angekommen im Foyer des Gasteig, schimmert nun eine kuriose Leuchtschrift aus dem entkernten Innenraum heraus: »von wegen« – oder vielleicht »von Wegen«? Die Doppeldeutigkeit des Schriftzugs lässt viel Raum für Interpretation.

 

Sophia Süßmilch, »Denkmal der Beleidigung« (Außenbereich)
Was ist gute Kunst? Wie beurteilt man überhaupt Gegenwartskunst, die sich häufig dadurch auszeichnet, dass sie alle tradierten Qualitätskriterien guter Kunst bricht? Ist Sophia Süßmilch zum Beispiel eine schlechte Künstlerin? Böse Kritiken ihrer Werke gibt es scheinbar zuhauf. Wie geht sie damit um? Ganz einfach: Sie setzt den teils auch persönlichen Beleidigungen schlicht ein Denkmal. Frei nach dem Motto: »Wenn du sie nicht schlagen kannst, verbünde dich mit ihnen!«.
 

 

Thomas Thiede »Neues vom ungläubigen Thomas« (Glashalle, 1. OG)
Eine der reizvollsten und komplexeren Figuren in den Evangelien ist der »ungläubige Thomas«. Die ihm zugeschriebene Skepsis sieht Thiede eher als Denkinstrument auf dem Weg, sich eine selbstständige Meinung zu bilden. An vier Säulen im Foyer des Gasteig hat der Künstler Objekte montiert, die an die vier einflussreichsten Erzähler der Kirchengeschichte und unserer Kultur erinnern. Wir leben von Geschichten und tun deshalb gut daran, an ihnen zu zweifeln.

 

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